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Meine Gedanken zur Autokorrektur Nr. 7

Es ist kein Geheimnis: Ich bin aktuell auf Lesereise mit meinem Buch – die Ladys vom Fischerverlag nennen mich schon ihre „Sachbuchqueen“, weil Sachbücher normalerweise eher wenig und dann in Nischen für Lesungen sorgen. Auf #Autokorrektur erfolgt jedoch so viel Resonanz, die ich immer noch nicht völlig erfassen kann. Danke an alle, die Interesse haben, mit mir in den Dialog zu treten.

Unter anderem habe ich zusammen mit Katrin Habenschaden, Zweiter Bürgermeisterin von München, einen Abend gestalten dürfen, der nicht nur durch ein heftiges Unwetter beeidruckte, sondern auch durch einen bis auf den letzten Platz besetzten Salon Luitpold. Gerade weil die Fragen des Publikums zum Teil sehr lokal waren – und von Katrin entsprechend beantwortet worden sind – kam es in der Mischung mit meinen Hinweisen zur Autokorrektur gleichermaßen zu Empowerment und Wachrütteln. Denn: Wir sind der Wandel, wir dürfen nicht länger auf ihn warten!

Und ja, auch ich habe Tage hinter mir voller Verzweiflung, weil sich so wenig bewegt. Und weil ich bei Lesungen auf Menschen treffe, die Angst haben, unter Tränen erzählen, was es heißt, in ihrer Stadt oder Region mit dem Rad unterwegs zu sein. Tägliche Gewalt, manche von ihnen fahren deswegen nicht mehr. Das bedrückt mich ungemein, da können mir noch so viele erzählen, dass es ja auch Kampfradler:innen gäbe. Das Gefühl von Gewalt kennen Autofahrende nicht in dem Ausmaß wie Menschen auf dem Rad. An jedem Ghostbik, das aufgestellt wird an Orten, wo Radfahrende getötet worden sind, bleibe ich, wenn ich die Zeit habe, einen Moment stehen. Ich versuche zu begreifen, dass Deutschland keine Vision Zero hat.

Ein Artikel ist mir grad begegnet, den ich ganz spannend finde: „Das System Auto und die Klimakrise zusammendenkend, machen sie einen Punkt sehr deutlich: die Ansätze, die Staat und Konzerne propagieren, wollen die „notwendige Veränderung“ mit einer „materiell-technischen Lösung“ herbeiführen.“

„Der Umschwung auf elektrische Antriebe soll die Verkehrsmittel nun klimafreundlicher machen. Diese Produktionsumstellung wird als klimaneutrale Alternative verkauft, die aus rein ökologischer Verantwortung heraus geschehe. Dabei wird die ökologische gegen die soziale Frage der Konversion der Betriebe ausgespielt und mit Arbeitsplätzen als Druckmittel in der Hinterhand verhandelt. Denn während der damit einhergehende Arbeitsplatzabbau als unausweichlicher Kollateralschaden deklariert und besonders in Coronazeiten lauthals nach staatlichen Hilfsgeldern gerufen wird, ist man sich in den Konzernspitzen sehr wohl des riesigen Profitpotenzials bewusst, das in einem Austausch der gesamten Pkw-Flotte vornehmlich durch Elektro- und Hybrid-Autos liegt.“

https://www.piqd.de/technologie-gesellschaft/vom-anti-auto-aktivismus-zur-bewegung-fur-mobiltatsgerechtigkeit

Zusammen mit Juliane Krause, Verkehrsplanerin, die sich schon seit mehreren Jahrzehnten mit dem Thema der männerorientierten Verkehrsplanung beschäftigt, habe ich das Verkehrssystem aus Sicht der Geschlechtergerechtigkeit beleuchtet.

Zahlen belegen, dass den Frauen die Dominanz der Autos in den Städten wenig nützt, denn Frauen bewegen sich zwischen vier und fünf Prozent mehr zu Fuß als Männer. Und während Männer für rund die Hälfte aller Wege das Auto benutzen, sind es bei Frauen nur rund 37 Prozent. Insbesondere ältere Frauen haben oft nicht mal einen Führerschein: In der Altersgruppe 70+ beträgt der Unterschied satte 20 Prozent – kein Wunder – denn bis 1958 mussten Frauen ihren Mann noch um Erlaubnis fragen, wenn sie den Führerschein machen wollten. https://www.linkedin.com/embeds/publishingEmbed.html?articleId=7396455985751079952

Ein wenig mixed emotions treiben mich um, was ich von mir gar nicht kenne, in Anbetracht des Treffens mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Ich mag Diskurs, ich mag Kontroverse – aber ich weiß einfach nicht, wofür dieser Politiker steht. Sie können live im Stream oder vor Ort in Leipzig dabei sein – und mir gern Tipps geben, was ich fragen soll. Ein paar Ideen habe ich schon 🙂 https://www.linkedin.com/embeds/publishingEmbed.html?articleId=8130389654528059258

(Un)Gehört im Petitionsauschuss: Etwas Licht, viel Schatten und ein breites Bündnis.

Ich habe zusammen mit meinem Petenten Tino Pfaff eine Folge #SheDrivesMobility als Rückblick auf unseren „Auftritt“ vor dem Petitionsausschuss aufgenommen. Vielleicht auch spannend für Menschen, die das System noch gar nicht kennen (so wie auch ich, als wir die Petition gestartet haben).

https://katja-diehl.de/ungehoert-im-petitionsauschuss-etwas-licht-viel-schatten-und-ein-breites-buendnis/

Interessant finde ich, dass ich zuweilen mehr an die Fähigkeit der deutschen Autoindustrie in Sachen vollelektrische Antriebe glaube als andere. So fand ich mich auf einem Panel der TÜV mobility conference in Berlin wieder, wo ich die Industrie verteidigte, während Vertreter von Zulieferindustrie, Verbänden und dem TÜV volles Verständnis für PlugIn-Hybride und weitere Produktion von Verbrenner hatten. Ich bin selten fassungslos, aber diese Unsicherheit, die in die Kund:innen nahezu reingeflüstert wird, ist für mich ein massives Problem – was sich auch darin spiegelt, dass 2021 gerade mal ein Prozent der 49 Millionen Pkw in unserem Land vollelektrisch fuhr. Denn: Wie wir alle wissen, ist das noch lange keine Verkehrswende! Der vollelektrische Antrieb löst nur das lokal emissionsfreie des Auspuffs, Reifenabrieb, Lärm, Flächenversiegelung und Raumenge bleiben bestehen.

Für alle mit FAZ-Abo: Ich habe mich hier zu meiner Erfahrung mit Online-Hass äußern dürfen.

Um die Explosion auszulösen, reicht ein Satz. Ein paar Worte, schwarz auf weiß, auf der Handytastatur getippt – und plötzlich steht die Welt Kopf. Wie bei Katja Diehl an jenem Abend, er liegt schon einige Jahre zurück, als sie vom Theater nach Hause kam und aus einem Gefühl der Ohnmacht heraus die Tür von innen abschloss. Es half nichts. Die Verfolger hatte sie trotzdem mit ins Haus genommen. Sie waren auf ihrem Handydisplay. Sie warfen ihr Hetze vor, bodenlose Dummheit oder „Rassismus gegen Deutsche“. Und sie hörten einfach nicht auf, genauso wenig wie die Hilflosigkeit. „Menschen, die sich nicht mit Online-Hass auskennen, denken oft, dass man über Shitstorms drüberstehen kann“, sagt sie. „Dass das ja egal sei. Aber sie haben so was in der Regel auch noch nicht erlebt.

Diehl hatte, bevor sie ins Theater gegangen war, auf Twitter öffentlich Solidarität mit einer befreundeten Autorin bekundet, die selbst nach einer Äußerung massiv angefeindet worden war. Die Mobilitätsexpertin, die für eine klimafreundliche Verkehrswende eintritt, erkannte in einem Journalisten den Auslöser der digitalen Attacke auf ihre Bekannte. In einem Tweet rief sie dazu auf, man solle Accounts wie dem seinen nicht folgen und seine Beiträge nicht liken. Gedankt wurde ihr das mit einem eigenen Shitstorm. Diehl möchte in der Sache nicht als Opfer dastehen. Auch deshalb spricht sie öffentlich darüber. Denn eines weiß sie sicher: „Mich kriegt niemand klein.““

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/mobbing-und-shitstorm-psychologen-geben-tipps-gegen-digitale-gewalt-17979675.html

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