Es gibt keine Argumente gegen Höchstgeschwindigkeit

Im Februar 2019 veröffentlichte ich einen längeren Artikel zur Notwendigkeit von Geschwindigkeitsbegrenzungen. Und stellte diesen bei Twitter, Xing, LinkedIn ein. Die Reaktion war erschütternd. Eine Maßnahme, die sofort umsetzbar Klima und Menschenleben retten würde. Da wir das Tempolimit immer noch nicht habe, setze ich den Artikel nochmal nach vorne in meinen Blog.

Bisher habe ich mich bei meinem Wirken rund um den Mobilitätswandel nicht sonderlich um die Diskussion von Höchstgeschwindigkeiten gekümmert. Vielleicht, weil ich dachte, das wird von selbst kommen, weil es ja nur Vorteile hat, zum anderen aber auch, weil ich nicht geglaubt hätte, dass eine Bundestagsfraktion sich in diesem Jahrhundert noch einmal dermaßen echauffieren würde, um das Tempo unlimited zu halten. Aber auch, weil mich immer wieder Geschichten von Angehörigen und Einsatzkräften erreichten, die Menschen durch die “unangemessene Geschwindigkeit” anderer verloren haben oder Unfallopfer vor Ort behandeln mussten. Als ich gestern dann noch lesen musste, dass jemand, der mit dreifacher Geschwindigkeit durch die Stadt rasen kann, um dann nur einen Monat Fahrverbot zu bekommen, war das der letzte Tropfen in mein gut gefülltes Fass. Denn: Ich konnte es einfach nicht mehr ertragen, dass Menschenleben nichts, die persönliche Freiheit aber alles ist.

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Ich setzte einen Thread bei Twitter auf, der in 18 Schritten erläuterte, warum ich die Gründe GEGEN ein #Tempolimit nicht mehr als Argumente bezeichne, sondern als egoistisches Verhalten. Ich wollte informieren, aber auch erreichen, dass – so vorhanden – endlich mal Argumente genannt werden, dass es unsinnig oder nachweislich nachteilig ist, Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuführen. Denn für mich haben diese Begrenzungen für Menschenleben und Klima gleichermaßen nur Vorteile. Und – so sagen es mir Bekannte, die im benachbarten Ausland Urlaubs- oder Geschäftsreisen machen: Es entspannt auch, wenn alle gleich schnell, langsam fahren. Ich stellte also diesen Thread rein und wartete ab. Schon nach anderthalb Stunden sah es auf meinem Handy so aus, wie oben gezeigt. Ich hatte mir zuvor vorgenommen, den erwarteten Sturm nicht zu moderieren, sondern das System sch selbst zu überlassen. Ich tat das mit gutem Gewissen, hatte ich doch meine Darstellung auf Fakten basiert – und nicht auf dem subjektiven Gefühl, für mich etwas zu platzieren.

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#Spoiler: Auch jetzt, nach 24 Stunden “Diskussion”, gab es kein einziges Argument. Es gab jede Menge #Whataboutism (also die Ablenkung von einem Thema durch Platzierung eines anderen – und ja, es kamen auch wieder die Kohlekraftwerke aus China), trotz Fakten- und Quellennennung der blanke Hinweis, das ich “falsch” liege, der Bezug auf die Freiheit des Einzelnen sowie von einem Automobilclub abstruse Verteidigung des Status Quo. Ich habe mich festgelegt: Wer gegen Geschwindigkeitsbeschränkungen ist, handelt aus eigenem Interesse und null aus dem Interesse anderer.

Ich möchte Ihnen meine Argumente natürlich nicht vorenthalten. Auch hier bei LinkedIn bin ich offen für die Erkenntnis, völlig falsch zu liegen und etwas zu fordern (da bin ich mittlerweile nämlich, ich fordere Tempolimits auf Autobahnen, Landstraßen und innerorts), was keinerlei Sinn ergibt. Daher freue ich mich auch hier über sachdienliche Hinweise, die mich dazu bewegen können, meine Meinung zu ändern.

Der Thread.

370.075 Menschen waren 2019 von Verkehrsunfällen betroffen. 3.275 von ihnen starben. Wie ich auf diese Zahlen komme? Bitte folgen Sie mir! 

Da ist zunächst die Statistik vom #ADAC: 3.275 Tote auf unseren. Dazu kommen 382.000 Personenschäden – was für ein furchtbares Wort für jedes Einzelschicksal. Jede Querschnittlähmung. Jedes massiv betroffene Leben. 2,66 Millionen Verkehrsunfälle insgesamt. Die FAZ rechnet in einem umfänglichen und lesenswerten Artikel für Steinherzbesitzer vor, dass jeder tödliche Unfall nicht nur die Angehörigen, sondern auch die Menschen, die beruflich damit zu tun haben belastet.

113 Menschen: 11 Angehörige, vier enge Freunde, 56 Freunde und Bekannte, 42 Einsatzkräfte.

So komme ich auf 370.075 Betroffene

Damit kommen wir zum #Tempolimit. Jeder dritte von den Menschen, die im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen ums Leben kamen, starb, weil er oder jemand anderes „unangepasst“ und damit zu schnell fuhr. Damit waren 123.358 Menschen betroffen. Von Raser:innen. Ob auf gerader Strecke, bei Regen, im Nebel.

„Unangepasst“ waren im Fall von Katharina Körner 150 km/h. Erlaubt waren 70. Der Fahrer des Wagens überlebte nahezu unverletzt. Ihr Sohn, Mann und Schwager nicht. Ich bin fassungslos, was wir hier diskutieren. Dass eine Partei wie die #CCU/CSU die >freie Fahrt< vor Menschenleben stellt. Fakten verneint. Belastung für Retter:innen und Betroffebe zumindest ausblendet, wenn nicht gar ignoriert.

Was, wenn es ihre Kinder träfe? 

Von ad hoc positiven Klimaauswirkungen ganz zu schweigen, denn: Die Einführung eines Tempolimits senkt sofort und kostenlos den Spritverbrauch. Bei einer Begrenzung auf 120 km/h ließen sich jährlich rund drei Millionen Tonnen CO2 einsparen. „Mein“ #VCD fordert daher:

Kein Mensch darf mehr im Verkehr sein Leben verlieren. Das heißt Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h auf Autobahnen, von 80 km/h auf Landstraßen und eine Regel­geschwindigkeit von 30 km/h in der Stadt. Spoiler: durchschnittlich haben wir in Hamburg 17. 

Erneut ist hier Politik nicht so weit wie Gesellschaft, die sich mehrheitlich für ein Tempolimit auf Autobahnen ausspricht. Frauen befürworten sogar mit Zweidrittel-Mehrheit das Tempo-limit.

Rasen ist scheinbar männlich.

Ist es auch christlich wie das C neben S und U? Tatsächlich! Schon 2008 forderte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ein Tempolimit auf Autobahnen von 120 km/h. März 2019: Evangelische Kirche Mitteldeutschland startet Petition für Tempolimit 130 km/h. Erfolgreich! Muss nun vom Petitionsausschuss behandelt werden. Es gibt da zudem so Ziele. Die Klimaziele der Bundesregierung. Sie geraten durch den Verkehrsbereich in Gefahr. Im Verkehr liegen – anders als in allen anderen Bereichen – die Treibhausgas-Emissionen heute höher als im Jahr 1990. Merkste ne? 

Gut 30 % der gesamten Fahrleistung von motorisierten Fahrzeugen wird auf der Autobahn erbracht. Auf 70,4 % der Autobahnen ist das Tempo nicht limitiert. Riesiges Potenzial zur Emissionseinsparung.

Ich wiederhole mich: Kostenlos, ad hoc, unbürokratisch. Geschenkt! 

Wir schauen uns um: Wer hat noch kein Tempolimit? Sowohl bei der Zahl der Getöteten pro Autobahnkilometer als auch bei den Getöteten pro einer Milliarde Fahrzeugkilometer auf der Autobahn schneidet wir schlechter ab als die Schweiz, Schweden, Dänemark oder Großbritannien. 67,7 % aller tödlichen Unfälle ereignen sich auf Autobahnabschnitten, die keine Geschwindigkeitsbegrenzung haben. Und das, obwohl Unfallschwerpunkte längst mit dauerhaften oder situationsabhängigen Tempolimits ausgestattet sind. SPIEGEL ONLINE berechnete im Januar 2019 die Todesfälle, die durch Tempolimit verhindert werden könnten und kam auf 140.

Pro Milliarde Fahrzeugkilometer gibt es 1,67 tödliche Unfälle auf Autobahnabschnitten ohne Tempolimit und 0,95 auf Abschnitten mit Tempolimit. 

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Der Unfallforscher Göran Nilsson kommt nach Auswertung des schwedischen Unfallgeschehens zu dem Ergebnis, dass die Verringerung der Durchschnittsgeschwindigkeit um fünf Prozent zu einer Reduzierung der Unfälle um zehn und der tödlichen Unfälle um 20 Prozent führt. Demnach reduzieren 9,1 weniger km/h durch ein Tempolimit die Unfallzahl um 18,2 % und Todesfälle um 36,4 %. 2017 starben 277 Menschen durch Unfälle auf nicht limitierten Autobahnen. Demnach würden 101 Menschen, die 2017 tödlich verunglückten, heute noch leben. 

Während ich all das aufliste, wird mein Herz immer schwerer.

Ich ende daher an dieser Stelle mit dem Hinweis, dass meine Freiheit IMMER da enden muss, wo sie die anderer beschränkt, sie tötet oder Unbeteiligte in Mitleidenschaft zieht.

Das waren sehr viele Fakten. Die für Geschwindigkeitsbegrenzungen sprechen. Die ich um rigide, einkommensabhängige Strafen, entsprechende Kontrollen und Personal, das für die Nachhaltigkeit dieser Maßnahmen sorgt, ergänzen würde.

Aber wie gesagt: Sagen Sie mir gerne meinen blinden Fleck, der nicht erkennt, warum wir das nicht SOFORT machen sollten? Freue mich auf Ihre Anregungen in dieser Sache.

7 Kommentare zu „Es gibt keine Argumente gegen Höchstgeschwindigkeit“

  1. Mathias Kassel

    Hallo Katja,
    vor meinem fachlichen Hintergrund mit mehr als 30 Jahren in der Verkehrs- und Mobilitätsplanung kann ich Dir nur zustimmen!
    Liebe Grüße Mathias Kassel

  2. Liebe Frau Diehl,
    dass Ihre Informationen stimmen, Ihre Argumente überzeugen und Ihre Schlussfolgerungen naheliegend sind – unbenommen. Seit Jahren, nein, seit Jahrzehnten liegen Konzepte zu einer Mobilitätswende weg von der Privilegierung des privaten PKW-Verkehrs vor; es gibt Beispiele europäischer Städte, die zuerst für Menschen planen und bauen (Kopenhagen, Helsinki, Amsterdam, Stockholm); es gibt die klugen Bücher von Jan Gehl, Mikael Colville-Andersen und Hermann Knoflacher; und es gibt die Unentwegten, die Männer und Frauen, die *trotzdem* Rad fahren, im Wissen des Risikos für Leib und Leben in der Stadt.
    Warum in Gottes Namen ändert sich in Deutschland nichts? Wahrscheinlich sind die hiesigen Vetomächte vom ADAC über die BILD und die CDU bis zu VDA und VW zu stark. Gegen dieses, pardon, Verbrecherkartell macht in Deutschland niemand Politik, der/die noch etwas werden will.
    Ich kann Ihre gelegentliche Verzweiflung über die tödliche Mischung aus deutscher Dummheit und Aggressivität verstehen. Bei mir hat eine schleichende Resignation eingesetzt – dieses Land, das ich noch immer mag, wird eher am Blech auf seinen Straßen erstarren, als Kinder auf seinen Wegen spielen und radeln zu lassen. Mein Herz will das nicht glauben, mein Verstand kommt leider zu keinem anderen Ergebnis.
    Bitte fahren Sie vorsichtig. Sie spüren bestimmt, dass Sie für viele Autofahrer (m) ein bewegliches Ziel sind.

  3. Liebe Katja,
    Ihre guten Absichten in Ehren. Aber wenn man sich auf Zahlen beruft, sollten sie stimmen. 2019 wurden bei 2685611 Unfällen 384230 Menschen verletzt, 3046 starben.
    Es gab also mehr Verletzte, weniger Tote. Vor 50 Jahren waren es allerdings siebenmal so viele Tote, obwohl die Autos bei weitem nicht so schnell und nicht so stark motorisiert waren wie heute. Allein daraus kann man schon den Schluss ziehen, dass die simple Rechnung Tempolimit auf der Autobahn = Lösung des Problems keine Faktenbasis hat. Oder sie wäre genauso logisch, als würde Andy Scheuer behaupten, die Zahl der Verkehrstoten sei wegen der Übermotorisierung der BMWs und Audis zurückgegangen (was übrigens in Einzelfällen gar nicht mal falsch wäre, weil ein schnelles Auto beim Überholen auf der Landstraße kürzer auf der Gegenspur ist).
    Das DeStatis hat eine Infografik, auf der man sehr schön sieht, wie sich die Einführung des Tempolimits auf Landstraßen (Tempo 100 bzw. für Lkw Tempo 80) im Jahr 1972 auswirkte: Die Kurve knickt steil ab. Die 0,8-Promillegrenze, Helm- und Gurtpflicht und die 0,5-Promille-Grenze hatte ebenfalls signifikante Wirkungen.
    Was stimmt: Zu hohe Geschwindigkeit ist eine der Hauptunfallursachen. Zu hoch ist aber immer relativ. Obwohl auf Landstraßen nur 24,2 Prozent der Unfälle mit Verletzten geschehen, sterben dabei die meisten Menschen. So sind 57,7 der 2019 im Straßenverkehr Getöteten (1758 Menschen) auf Landstraßen gestorben, wo eben auch Tempo 100 viel zu schnell sein kann, wenn man in den ebenfalls so schnell fahrenden Gegenverkehr gerät.
    Selbst innerorts, wo die meisten Autos langsamer als 50 fahren, starben mehr als zweieinhalbmal so viele Menschen (932) wie auf Autobahnen (356). Böse gesagt: Als Radfahrer werde ich von einem abbiegenden Lkw auch bei Tempo 10 plattgewalzt.
    Die Gefahr, bei einem Autounfall ums Leben zu kommen, ist auf der Landstraße um gut ein Drittel höher als auf der Autobahn, wo nur selten jemand die Mittelleitplanke durchbricht. Die hässlichsten Unfälle passieren an Baustellen, wo jede Richtung auf 80 limitiert ist. Der Aufprall geschieht dann mit einer Differenzgeschwindigkeit von 160. Das ist immer letal. Daher müsste man eigentlich Baustellen verbieten.
    Anders gesagt: Man kann viele Autofahrer schön mit der Forderung nach Tempo 130 piesacken, und das würde unter der völlig unrealistischen Annahme, dass auf den abgelegenen, wenig befahrenen Strecken, auf denen jetzt noch kein Tempolimit gilt, engstmaschig geblitzt würde, auch die eine oder andere Tonne CO2 sparen. Aber mit Unfallzahlen zu argumentieren, ist unseriös, naiv oder scheinheilig. Wer etwas für die Verkehrssicherheit tun will, muss dafür sorgen, dass im ländlichen Raum (wo man keine Alternative zum Auto hat und die Landstraße der normale Weg von A nach B ist) vernünftig getaktete öffentliche Verkehre eingerichtet werden. Fürs Klima tut er damit noch weitaus mehr als mit dem noch so gut gemeinten Alibi Tempo 130 auf der BAB.
    Um das Kartenhaus endgültig umzuwerfen: In Deutschland starben 2019 von einer Million Einwohner 37 auf den Straßen. In Österreich (Tempolimit) waren es 46, in Frankreich (Tempolimit) 48, in Polen (Tempolimit) 77. Wo waren es noch viel weniger Tote als in Deutschland? Richtig, in der Schweiz mit ihrem sehr gutem ÖPV (22). Und in dünnbesiedelten Ländern wie Norwegen und Schweden, in denen einem schlichtweg auf der Landstraße kilometerweit keiner entgegenkommt.
    So, und jetzt tun wir alle wieder was fürs Klima!
    Ich habe übrigens im ersten Halbjahr keine 1800 km mit dem Auto zurückgelegt.

    https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/_inhalt.html
    https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/07/PD20_265_46241.html
    https://ec.europa.eu/transport/media/news/2020-06-11-road-safety-statistics-2019_en

    1. Lieber Herr Froitzheim!
      Danke für die Anerkennung meiner guten Absichten – wobei ich nicht so ganz verstehe, was sie darunter verstehen.
      Meine Vision ist 130/70/30 – bezieht sich also nicht nur auf Autobahnen.
      Ich frage mich zunehmend, wieviel Verkehrstote “verhandelbar” sind.
      Wenn ich ehrlich bin, dann denke ich, dass wir “Vision Zero” anstreben sollten.
      Nicht nur, weil jede:r Verkehrstote mindestens 113 andere Leben beeinflusst – von Schwerverletzten ganz zu schweigen.
      Ich vertrete die Meinung, dass wir alles tun sollten, und wenn es nur ein Leben rettet.
      Zudem ist jedes eingesparte Kilogramm CO2 im Verkehrssektor für mich relevant, da dies der einzige Sektor ist, der immer noch in seinen Emissionen Steigerungen erfährt. Was unfassbar ist angesichts der Klimakatastrophe.

    2. Was immer alle vergessen: die Zahl der Verkehrstoten ist u.a. deswegen so stark gesunken, weil wir heute eine sehr gut ausgestattes und hochtechnisiertes Gesundheitssystem haben. Dank Rettungshubaschrauber und RTW mit kompletter Notfallausstattung ist so manches Leben gerettet worden. Hinzu kommt: Gegenüber den 50er oder 60er Jahren wurde dank der Björn-Steiger-Stiftung in den 70er Jahren an sehr vielen, wenn nicht allen Bundesstraßen ein Unfallalarmsystem eingeführt, mit dessen Hilfe unmittelbar der RTW gerufen werden konnte. Wie lange hat es vorher gedauert, bis jemand an der Unfallstelle vorbeikam, ins nächste Dorf gefahren ist, ein Telefon gefunden hatte und Hilfe herbaeirufen konnte? Heute dank Mobilfunk ist die Hilfe sehr viel schneller unterwegs, solange man nicht im Funkloch steckt. E-call etc tun ein Übriges.
      Also bitte: keine Zeitvergleich hinsichtlich der Verkehrstoten anstellen. Das ist m.E. unseriös. Jeder Tote ist einer zuviel und die Folgen der zahlreichen Verletzten werden weitgehend unterschlagen. Ach ja: Wer mehr als 30 Tage nach dem Unfall verstirbt, wird nicht mehr als Verkehrstoter gezählt….
      Deswegen Tempo 130/80/30, jetzt!

      1. Lieber Henning, danke für die Einordnung. Ich sehe das genauso und mag ehrlich gesagt auch nicht mehr diskutieren, wie hoch die “Einsparung” von Toten ist. Spätestens bei uns lieben Menschen wäre schon die Zahl “1” zuviel.

  4. “Ich vertrete die Meinung, dass wir alles tun sollten, und wenn es nur ein Leben rettet.”
    Dieser – sehr oft genannte Satz – wird gerne angewendet, zeigt jedoch, dass die Leute, die ihn nutzen nicht ernst meinen.
    Wenn Sie diesen Satz WIRKLICH ernst meinen (ALLES TUN … NUR EIN LEBEN), dann dürften Sie z. B. keinen Fernseher besitzen und statt dessen das Geld was Sie für den Fernseher ausgegeben hätten spenden, so dass irgendjemand in dieser Welt eine ärztliche Behandlung bezahlt bekommt, die ihm das Leben rettet. Für ~500 – 1.000 Euro (was ein durchschnittlicher Fernseher heutzutage kostet) sicherlich machbar.
    Aber ich nehme an, Sie besitzen (wie ich) einen Fernseher, ist Ihnen wahrscheinlich entsprechend wichtig(er).
    Wobei: der Fernseher ist nur ein Beispiel. Ich möchte damit nur aufzeigen, dass dieser Satz nichts anderes ist als unwahr, um es vornehm aus zu drücken.
    Niemand von uns tut “ALLES” um auch “NUR EIN LEBEN” zu retten. Nicht Sie, nicht ich, nicht wir. Es ist nur ein Satz, mit dem wir die Größe unserer Motivation ausdrücken wollen, die aber nachweislich und prüfbar diejenigen beschämt die ihn nicht tatsächlich umsetzen.

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