Eine Frau lehnt an einem Radständer, der wie ein Auto gestaltet wurde.

Als wir das Rauchen verboten – und was wir daraus für die Verkehrswende lernen können

Erinnern Sie sich noch an die Aufregung? Vor 18 Jahren, zum Jahreswechsel 2007/2008, wurde das Rauchen in der Gastronomie verboten. Die Reaktionen waren heftig: Die Tabaklobby lief Sturm, das Gastgewerbe prophezeite ein flächendeckendes Kneipensterben, Raucher sahen ihr Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit bedroht. Der Untergang des deutschen Kneipenlebens schien besiegelt.

Was dann tatsächlich geschah

Doch dann passierte etwas Bemerkenswertes: Bereits kurze Zeit später interessierte sich kaum noch jemand für die alten Debatten. Die befürchtete Apokalypse blieb aus. Stattdessen stellte sich heraus, dass die positiven Effekte bei weitem überwogen. Die Aufenthaltsqualität in Restaurants, Bars und Kneipen verbesserte sich für alle Beteiligten – einschließlich der Raucherinnen und Raucher selbst. Niemand musste mehr in verqualmten Räumen sitzen, das Personal atmete auf, Kleidung stank nicht mehr nach Zigarettenrauch.

Das entscheidende Argument, das sich durchsetzte, war der Gesundheitsschutz der Unbeteiligten. Menschen, die in der Gastronomie arbeiten oder einfach nur essen gehen wollten, sollten nicht gezwungen sein, Passivrauch einzuatmen. Ein Prinzip, das heute selbstverständlich erscheint.

Die Parallele zur Verkehrspolitik

Stellen Sie sich vor, wir wären heute genauso konsequent beim Thema Verkehr.

Die Argumente wären nahezu identisch: Wirtschaftslobby würde warnen, Autofahrer würden ihre Freiheit bedroht sehen, der Zusammenbruch ganzer Wirtschaftszweige würde prophezeit. Und doch: Die Effekte einer echten Verkehrswende wären vermutlich ähnlich wie beim Rauchverbot – nur mit noch größerer Tragweite.

Denn während Passivrauchen gesundheitsschädlich ist, kostet der motorisierte Individualverkehr in seiner heutigen Form nicht nur Gesundheit, sondern tatsächlich Menschenleben. Jährlich sterben in Deutschland Menschen durch Verkehrsunfälle, Abgase und Lärm. Von der Klimakrise ganz zu schweigen.

Der entscheidende Unterschied

Genau wie beim Rauchverbot geht es nicht um ein komplettes Verbot, sondern um Regulierung zum Schutz aller. Wer rauchen möchte, kann heute vor die Tür gehen. Wer nicht einmal kurz auf Nikotin verzichten kann, hat die Möglichkeit, Pflaster oder Kaugummi zu nutzen – und das drinnen, ohne andere zu gefährden.

Analog dazu: Unvermeidbarer Verkehr im städtischen Bereich – Pflegedienste, Lieferverkehr, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – wird selbstverständlich weiterhin möglich sein. Aber warum sollte der gesamte öffentliche Raum dem privaten Autoverkehr zur Verfügung stehen, wenn dies die Lebensqualität aller anderen massiv einschränkt?

Was wir daraus lernen können

Die Geschichte des Rauchverbots zeigt: Gesellschaftliche Veränderungen, die zunächst auf massiven Widerstand stoßen, können sich erstaunlich schnell normalisieren – wenn sie im Interesse der Allgemeinheit sind. Die anfängliche Empörung weicht der Erkenntnis, dass die neue Regelung für die große Mehrheit positive Effekte hat.

Bei der Verkehrswende stehen wir heute dort, wo wir 2007 beim Rauchverbot standen: vor heftigen Debatten, Lobbyarbeit und Warnungen vor dem Untergang. Doch die Argumente für den Gesundheitsschutz, für Lebensqualität und – beim Verkehr noch viel stärker – für gerettete Menschenleben sind überwältigend.

Vielleicht werden wir in 18 Jahren auf die heutige Verkehrspolitik genauso ungläubig zurückblicken wie heute auf die verrauchten Kneipen von damals. Und uns fragen: Warum haben wir so lange gewartet?

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