So leid es mir tut, ich muss endlich daraus Konsequenzen ziehen. Ab heute.

Ich koche. Und zwar nicht auf Sparflamme. Mein Kündigung als Mrs. Pro Bono.

Es ist mir heute zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen passiert. Ein deutschlandweit tätiger Verein bzw. eine NGO bittet mich, pro bono eine Demonstration zu unterstützen, eine Umfrage zu verbreiten oder eine Social-Media-Kampagne zu teilen. Wie immer frage ich nach, ob ein Budget vorhanden ist. Die Antwort lautet jedes Mal: „Nein, leider nicht.” Und ich mache es trotzdem, weil mir die Sache wichtig ist, weil ich weiß, wie knapp Budgets in der Zivilgesellschaft sind, und weil ich Haltung zeigen will.

Dann sehe ich, dass andere für genau dieselbe Art von Engagement mehrere Hundert Euro erhalten haben.

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Ich habe nachgefragt – bei genau den Menschen, die bezahlt wurden. Sie erhielten offizielle Anfragen per E-Mail, in denen das Honorar von Anfang an genannt war. Bei mir kamen Direktnachrichten auf Social Media oder aufs Telefon. Ich zeigte mich bereit, zu unterstützen, fragte nach einem Honorar – und bekam die Auskunft, es gebe keines.

Schon die Art der Anfrage macht den Unterschied: Ein offizielles Schreiben mit Honorarangabe signalisiert Wertschätzung und Verbindlichkeit. Eine DM ohne jede Erwähnung von Geld signalisiert: Das machst du doch eh, oder?

Das ist ein Muster, das ich seit Jahren beobachte. Und nein, das Problem ist nicht „weiblich”, weil wir nicht verhandeln. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diejenigen, die wirklich etwas verändern wollen, damit selten reich werden.

Ich möchte hier niemandem sein Honorar streitig machen. Arbeit muss bezahlt werden. Schließlich gehen wir alle in den Supermarkt und bezahlen für die Produkte, die wir mitnehmen. Arbeit hat immer einen Gegenwert. Das Problem ist, dass offenbar automatisch davon ausgegangen wird, dass ich meine Arbeit umsonst mache. Dass meine Zeit, mein Wissen und meine Reichweite als selbstverständlich verfügbar gelten, während bei anderen selbstverständlich ein Honorar verhandelt wird. Weil ich ja „so engagiert” bin. Weil ich für Gerechtigkeit brenne. Und vielleicht auch, weil mein Engagement dem Gegenüber das Gefühl gibt: „Die macht das doch eh.“

Das ist die alte Geschichte: Frauen engagieren sich, weil es „für die gute Sache” ist. Sie sind es, deren Arbeit oft Carearbeit ist, also unbezahlt und selbstverständlich. Männern wird sofort anders begegnet, weil ihre Arbeit einen Wert hat. Weil sie sofort als „Lohnarbeit“ gilt. Beides ist Arbeit. Nur eine Seite wird dafür bezahlt.

Ich habe lange mitgemacht. Denn ich bin der Meinung, dass Zivilgesellschaft nur funktioniert, wenn Menschen bereit sind, auch mal etwas zu geben, ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten. Aber „auch mal” ist längst zu „grundsätzlich” geworden. Und das kann und will ich nicht länger mittragen.

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Ab heute beende ich meine spontanen Pro-bono-Engagements für deutschlandweit tätige Vereine und NGOs, die ihr Budget kennen und mich trotzdem gezielt fragen, ob es nicht auch ohne geht. Wer mich für eine Kampagne, ein Statement oder einen Shoutout buchen möchte, kann mir gerne eine Anfrage schicken. Teilt mir dabei bitte das dafür vorgesehene Budget mit.

Ich bin Bestsellerautorin, Podcasterin und Speakerin mit einer immensen Reichweite, die ich mir organisch aufgebaut habe. Ich vertrete ein Wertesystem und arbeite nicht heute für KKR und morgen für Trump. Ich bin die einzige Expertin Deutschlands, die sich auf die intersektionale Mobilitätswende fokussiert. Ich bin Leuchtturm statt Scheinwerfer.

Ich thematisiere das, weil unbezahlte Frauenarbeit – ob in der Care-Arbeit oder in der politischen Bildungsarbeit – ein massives Strukturproblem ist, das sich nicht von selbst löst. Es löst sich erst, wenn genug Frauen anfangen, Nein zu sagen. Oder zumindest: Ja, aber nicht umsonst.

Wie sind eure Erfahrungen damit?

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