Eine Fotocollage - eine Person in pfirsichfarbenem Blazer bei einer Rede mit Mikrofon, gestikulierend. Im Hintergrund weht die spanische Flagge vor blauem Himmel. Text im Bild: 'Heute bin ich im Herzen Spanierin!' Logo: she drives mobility, www.katja-diehl.de"

Während Deutschland nach rechts rutscht, zeigt Spanien, wie Mut aussieht.

Heute bin ich im Herzen Spanierin!

Während deutsche Politiker*innen zunehmend rechte Narrative übernehmen und sich in vorauseilendem Gehorsam an Positionen anpassen, die noch vor kurzem als undemokratisch galten, macht Spanien das Gegenteil:

Die sozialistische Regierung legalisiert ab April 500.000 Menschen ohne Papiere.

Die Bedingungen sind pragmatisch: Anwesenheit vor dem 31.12.2025 nachweisbar (durch Stromrechnungen, Arztbesuche, Gemeinderegistrierung), keine Vorstrafen. Das wars.

Binnen zwei Wochen sollen Anträge bearbeitet werden. Ab Antragsstellung dürfen Menschen in jeder Branche arbeiten. Minderjährige Familienmitglieder werden mitlegalisiert.

Das ist keine linke Spinnerei. Hinter dieser Initiative stehen 700.000 Unterschriften – gesammelt von einem breiten Bündnis aus Migrant*innengruppen, Gewerkschaften, Solidaritätsinitiativen und der katholischen Caritas. 2024 stimmten sogar die Konservativen (PP) mit 310:33 Stimmen dafür, das Thema zu debattieren. Nur die Rechtsextremen von Vox stimmten dagegen.

Jetzt, wo Vox in Umfragen zulegt, macht die PP eine 180-Grad-Wende. Die sehr deutsch ist. Leider. Parteichef Feijóo warnt plötzlich, 500.000 legale Immigrant*innen würden „öffentlichen Dienste sprengen“ – Schulen, Krankenhäuser.

Die Wahrheit ist eine andere: Diese Menschen leben bereits in Spanien. Sie arbeiten bereits – nur ohne Rechte, ohne Schutz, in Ausbeutungsverhältnissen. Sie zahlen bereits Mehrwertsteuer, mieten Wohnungen.

Legalisierung bedeutet: Sie können endlich sozialversichert arbeiten, ihre Kinder ohne Angst zur Schule schicken.

Was hat das mit Mobilität zu tun? Alles.

Menschen ohne Papiere sind die unsichtbaren Nutzer*innen unserer Städte. Sie fahren Bus und Bahn – aber mit ständiger Angst vor Kontrollen. Sie radeln zur Arbeit – aber können keine Versicherung abschließen. Sie gehen zu Fuß – weil jede Interaktion mit Behörden Abschiebung bedeuten könnte.

Inklusive Mobilität bedeutet: Jeder Mensch hat das Recht, sich sicher und würdevoll fortzubewegen. Nicht nur deutsche Staatsbürger*innen. Nicht nur „Legale“. Sondern alle, die hier leben.

Spanien versteht: Integration beginnt nicht mit Papieren. Integration beginnt damit, dass Menschen arbeiten, teilhaben, ankommen dürfen. Die Papiere sind der formale Nachvollzug dessen, was faktisch längst passiert ist.

Und Deutschland? Wir diskutieren über „Bezahlkarten statt Bargeld“, über „Abschiebezentren in Drittstaaten“, über „verschärfte Grenzkontrollen“. Wir übernehmen rechte Frames und tun so, als wäre das „Realpolitik“.

Nein.

Realpolitik wäre: Anerkennen, dass Menschen hier sind. Ihnen Perspektiven geben. Ausbeutung beenden. Integration ermöglichen. Teilhabe schaffen.

Spanien macht vor, wie das geht. Mit Mut, mit Pragmatismus, mit Haltung.

Gracias, España. Por recordarnos que otro camino es posible.

Was denkst du? Sollte Deutschland von Spanien lernen – oder siehst du das anders?

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