Oder auch: Wird die Welt kleiner, wenn wir sie gerecht aufteilen?

Peter Altmaier lud in sein Ministerium. #StarkeFrauenStarkeWirtschaft war das Thema vorab des ersten Berliner Feiertages zum Weltfrauentag. Er kam deutlich zu spät und ging pünktlich. Er kam in den Saal, Blitzlichtgewitter, ließ die von ihm geladenen Podiumsdamen links liegen – um einen Mann zu begrüßen. Auch unter anderen Umständen wäre das von mir als unhöflich empfunden worden. Und hinter dem Mikro stehend machte er das, was erstmal alle machen: Er zählte auf, was er schon alles so getan hat für die Gleichberechtigung. Und weswegen es keine Quote braucht. Schon da ging sehr viel Raunen durch die Reihen.

Mehrwert weiblich

Wiebke Andersen und Christian Berg von der AllBrightStiftung holten uns zu Beginn deutlich auf den Boden der Tatsachen. Deutschland ist Minuskumpel in Sachen Gleichberechtigung. Ihre Fakten stehen da an der Wand und frau fragt sich: Wie lange soll das noch so weitergehen? Der Zuwachs an Frauen in den Vorständen der 160 deutschen Börsenunternehmen war im vergangenen Jahr so gering, dass er in etwa dem gleichzeitigen Zuwachs an Männern entspricht, die Thomas heißen. An den Unternehmensspitzen dominiert männliche Monokultur (in der Biologie sind diese nur stark, wenn sich nichts verändert). Thomas rekrutiert Thomas und der wiederum einen Thomas, der ihm sehr ähnlich ist. 92 Prozent der  Vorstandsmitglieder sind Männer. Von der Vielfalt in der deutschen Gesellschaft kommt in diesen Führungsetagen wenig an. Und diese ist wichtig – für das Überleben aller, für wirtschaftlichen Erfolg, vor allem auch international. “Unser Gründer ist kein emotionaler Frauenförderer. Er hat unsere Stiftung nicht aus Gutmenschtum gegründet. Für ihn war es völlig rational, dass diese Monokultur nicht bestehen wird und ihr dementsprechend mit Maßnahmen begegnet werden muss”, hob Ankersen hervor. Ebenfalls hervorgehoben wurde die schwarze Liste der Unternehmen, die feststellen, dass sie bis 2022 keine Frau in den Vorstand werden holen können. Das zu ändern ist das eine, die Produkte dieser Firmen nicht zu kaufen ein notwendiges Mittel der ad hoc Sanktion.

Impulsvorträge von Elke Eller und Simone Menne

Einig waren sich die beiden Keynote-Speakerinnen vor allem darin, dass die bisher etablierten politischen Maßnahmen zahnlos geblieben sind. Vor allem die Möglichkeiten des Wandels, die in der Digitalisierung liegen, werden links liegengelassen. Elke Eller: “Es bedarf diverser Spitzen, um ein Unternehmen zu ändern. Wir brauchen Rolemodels, um Talente anzusprechen.  Persönliche und soziale Kompetenz prägen die Transformation – eine echte Chance für Frauen. Und neben dem Wandel in den Aufsichtsräten müssen wir “die Pipeline füllen”, um ganzheitlich Veränderung zu gestalten.”

Simone Menne wurde noch sehr viel deutlicher: “Wir reden und reden – und es geschieht NICHTS. Es ist gesellschaftlich akzeptiert, dass Unternehmen sich die Zielgröße Null für Aufsichtsräte geben. Das wäre bei der Nachricht, dass ein Unternehmen CO2 nicht senken will, NICHT der Fall.”

Ihr Schlussappell: “Wir brauchen gut ausgebildete Frauen. Wir brauchen Väter bei ihren Kindern. Und wir brauchen Rahmenbedingungen, die diesen Wandel ermöglichen.”

Podiumsdiskussion mit klaren Standpunkten

Auf dem Podium saß Peter Altmaier dann mit einem Moderator, beide gaben eine manchmal durchaus hilflose bis übergriffige Figur ab. Nicht über die Maße, aber eben in jenem Maße, das wir Frauen aus dem Alltag kennen. So thematisierte man(n) bei der Vorstellung von Susann Hofmann den Namen ihres Kindes (hätte Sie da nicht einen deutschen nehmen können?) und malte ein Bild von Homeoffice, wo Frau im Bett liegend auch noch das Kind betreut. Es ist soviel schief in unseren Köpfen. Wir schaffen nur gemeinsam, das zu ändern. Aber es gab viele Momente, wo die Frauen in den Rängen ärgerlich wurden. Peter Altmaier will keine Quote. Warum nicht? Ich bin für eine temporäre Quote, bis eine gewisse Parität erreicht ist. Es bedarf des externen Einflusses.

Es macht mich wütend, dass Unternehmen behaupten, es gäbe keine Frauen, denen man Verantwortung übertragen könne.

Es macht mich wütend, wenn ältere Frauen auf einem Podium sitzend behaupten, dass Frauen nur die Chancen ergreifen müssten, die sich ergeben.

Es macht mich wütend, dass auf das Bild des Vorstands der schwedischen Bahn (mehr Frauen als Männer) geschrieben wird: Das sind doch die, die keine Kinder in der 1. Klasse wollen!!ELF11 – Dass so ein gut gemeinter Vorwurf zeigt, dass der Absender eben auch denkt, dass Erziehung Frauensache ist und es umso verwerflicher ist, wenn ein weiblicher Vorstand solche Dinge billigt.

Es macht mich wütend, wenn ich hinter den Kulissen von Twitter beleidigt und persönlich angegangen werde, dass Frauen nicht mehr Rechte als andere hätten und deswegen die Quote auch nichts rechtlich Haltbares sein könne. Ich solle doch mal bei der Müllabfuhr arbeiten und nicht im Büro.

Und es macht mich froh, dass ich Menschen um mich weiß, die gönnen und helfen und fördern. Dafür danke ich aufrichtig. Das löscht meine Wut ad hoc. Und die Tatsache, dass meine Eltern staunend mit mir sprechen, “was ich da alles mache”.

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