Das größte Mitfahrunternehmen der Welt. Menschen, die sicher nie Mitfahrzentralen nutzen würden, nutzen UBER in den USA mittlerweile wie selbstverständlich, um von einer digitalen Plattform an einen Privatmenschen vermittelt zu werden, der sehr viel billiger die Taxifahrt ersetzt. Ein Umsatz von Hundert Milliarden Dollar, jüngst ein Börsengang, der alle Rekorde brach. Die Disruption einer Branche, die wie viele, die seit Jahrzehnten dasselbe und das auch recht geschützt tun, abrupt ihr Schnarchen beim schrillen Weckerklingeln unterbrechen musste. In diesem Fall: Taxiunternehmen hatten sich nicht proaktiv vorbereitet – weder auf Transformation noch auf Disruption ihres Angebotes. New York weinte um seine schwindenden Yellow Cabs, die zeitloses mobiles Wahrzeichen zu sein glaubten. Die Frage ist nun: Will Deutschland das auch? Wiederholen, was in den USA stattfand und -findet?

Meine Thesen:

  • Disruptive Plattformen müssen Kundenbindung erzeugen – oder Monopole
  • Kund:innen, die nur aufgrund von Preissensivität Angebote nutzen, wechseln schnell
  • Plattformen ohne Markenkern brauchen (regionale Ausprägung von) Wiedererkennungswert
  • Uber ist keine Erfolgsgeschichte – sie wird zu einer stilisiert

Preislicher Vorteil als einziger Vorteil zur Konkurrenz

Das Unternehmen, das angetreten ist, Mobilität bezahlbarer und bequemer zu gestalten, ist in den USA ein Geschäft, das auf den Schultern von anderen gemacht wird. Es profitiert die Kundin, naklar, denn sie bucht per App die Fahrt und hat einen Preisvorteil, der sich daraus ergibt, dass Uber keine eigenen Fahrzeuge hat und nur Fahrten an sich vermittelt. Dabei njutzt der Algorithmus von Uber clever Zeiten hoher Nachfrage für höhere Preise. Was valide ist, denn auch in anderen Branchen steuert die Nachfrage das Angebot. Aber was ist, wenn wir in den Helikopter steigen und die Lage mal ein wenig von weiter oben betrachten? Letztes Jahr verlor Uber 1,8 Milliarden Dollar, im letzten Quartal gar fünf Milliarden. Der Börsengang sammelte neun Milliarden ein. Ich wiederhole: Fünf davon hat Uber in einem einzigen QUARTAL vernichtet.

Global ist Uber nicht erfolgreich

Zudem: Auf allen anderen internationalen Märkten konnte Uber bisher nicht Fuß fassen. Südostasien z. B., ein riesiges Stück Kuchen im MItfahrmarkt, weil hier kulturell auch ein anderer Zugang zu dieser Form der Mobilität besteht, ist komplett “uber-resistent”. Hat regionale Angebote bevorzugt. Der globale Kampf scheint verloren zu gehen. Ich führe das auch auf den Fakt zurück, dass Uber keine starke Marke im Sinne einer Kundenbindung ausbilden konnte. Die Bindung existiert ausschließlich über den Preisvorteil. Und da dreht sich der innere Konflikt von Uber unweigerlich im Kreis.

Preissteigerung als Maßnahme kaum durchsetzbar

Wir wissen: Unternehmen, die Geld verlieren, können nur ihre Ausgaben senken oder die Preise erhöhen. Der größte Kostenfaktor bei Uber trotz Zahlung auf Mindestniveau sind die Fahrer:innengehälter. Um den Gewinn zu steigern, bzw. das Vernichten von Kapital einzudämmen, müssten also die Fahrergehälter gekürzt werden. Das wird nicht akzeptiert werden. Vor dem Börsengang protestierten die Fahrer gegen das Unternehmen. Verlangten mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. 10 bis 12 Dollar die Stunde, wer will da kürzen? Wenn dies passieren würde, gingen die Fahrer:innen zur Konkurrenz, denn Uber hat keine Unternehmenskultur. Die Fahrer agieren allein im PKW, der Algorithmus ist ihr Chef. Damit kommen wir zur zweiten Option: Die Preise erhöhen. Wie weit ist dies möglich? Gehen Kund:innen hier mit? Haben diese mehr Bindung an die Marke Uber als die Fahrer:innen? Oder ist Uber für sie auch austauschbar, weil sie in jedem PKW ein ähnliches Kundenerlebnis hätten? Die USA sind Ubers größter und profitabelster Markt. MIt der zugleich größten Herausforderung: Lyft. Der Konkurrenz. Zu der Fahrgästen freudig wechseln würden, wenn sie billiger anbieten kann.

Fazit:

Ich freue mich, wenn wir uns diesen Umweg in Deutschland ersparen und anerkennen, dass Mobilität etwas ist, das gesamtheitlich gestaltet werden sollte. Das heißt nicht, dass ich Uber nicht seine Nische im Markt einräumen möchte, jedoch zu regulierteren Bedingungen. In den USA sorgte das Angebot nämlich nicht für den Ersatz privater Fahrten – und nur das sollte Ziel innovativer Verkehrskonzepte sein: Echte und attraktive Alternativen zum privaten PKW bieten und damit Raum für alle im urbanen Raum schaffen; plus saubere Luft. Stattdessen stiegen jedoch Menschen in ein Auto, die ansonsten Bus, Bahn, Fußwege oder das Fahrrad genutzt – oder, noch schlimmer, die Fahrt gar nicht erst angetreten hätten. Viele neue Mobilitätsangebote drohen als Faulheitsverstärker gesunde, weil selbst zurückgelegte Wege zu ersetzen. Das sollte vor allem in Kurzwegedistanz nicht unser MIttel der Wahl sein. Stattdessen sollte das Verkehrsunternehmen gemeinsam mit der jeweiligen Stadt weitere Mobilitätsformen in sein Angebot integrieren, gern auch mit externer Expertise von StartUps und spezialisierten Unternehmen. Warum nicht die Taxis zu Ridepooling-Shuttles umwidmen und effizienter nutzen? Die Fahrer:innen sind bestens geschult, die Fahrzeuge überprüft.

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