Manchmal prasseln so viele Dinge innerhalb einer Woche auf mich ein, dass mir ganz wirr im Kopf wird. Vor allem, wenn diese Dinge sich mit den Werten und Normen beschäftigen. Mit denen anderer, die aktuell nicht selten enorm mit den meinen kollidieren. Geht es euch genauso? Was ist Henne, was ist Ei? Sind Werte und Normen etwas, das Emotionen hervorruft – oder benötigen wir sie, um diese im Zaum zu halten?

Rhetorisch die Messer wetzen – like!

Ich bin von diskussionsfreudigen Menschen umgeben, das macht Spaß. Wir schärfen aneinander konstruktiv die rhetorischen Messer und gehen gestärkt auseinander, weil diese Diskussionen wertschätzend verlaufen. Es geht nicht darum – zumindest meistens nicht – zu gewinnen, indem das Gegenüber überzeugt wird von der eigenen Meinung. Es geht darum, es auszuhalten, dass jemand eine andere Haltung hat. Sich die Zeit zu nehmen, diese zu erfahren und zuzuhören, wo die Beweggründe für diese liegen. Das ist hilfreich, aber nicht selten auch entnervend und erschöpfend. Denn natürlich bleibt es dabei, dass der/die Andere und ich sich unserer jeweiligen Meinung sicher sind.

Wo Kraft bewahren, wenn kräftig genommen!?

Und nun zu den anderen. Außerhalb meiner Komfortzone. Zu den Diskussionen, die vor allem online stattfinden – und dann so plötzlich in das echte Leben plumpsen, dass mir vor Betroffenheit fast das Herz stehen bleibt. Ich bin für Wandel. Ich möchte, dass wir gut mit dieser nur einen Welt umgehen, die wir haben. Ich habe toxische Umgebungen und Menschen verlassen, die diese Haltung als naiv und unprofessionell bewertet haben. Dennoch lebe ich nicht unter einer Glashaube. Mich erreicht die Realität, die mich zu erschöpfen in der Lage ist, weil sie ignorant und vielleicht auch einfach nur aus eigener Unsicherheit der Agierenden getrieben wutschäumend auf dem Status Quo beharrt.

Denn der ist doch gut.

Und seine Änderung trifft doch eh immer die Falschen.

Ist das so? Werden nicht aktuell schon die Falschen getroffen? Die, die durch die stromlinienförmigen Raster fallen? Die kleine Dinge voller Herzensblut tun, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen und genau durch ihr intrinsisches Engagement so verletzlich sind? Weil sie auch aktuell nicht gewinnen können? Weil das System 75 Prozent oder mehr ihrer Umgebung ausmacht?

Und was ist mit jenen, die dem Status „Arbeitnehmer“ nicht mehr entsprechen? Aus Alters- oder Gesundheitsgründen? Die einen fantastisch brillanten Kopf voller Wissen haben, qua Alter aber den Status verlassen haben, Arbeitswelt und Unternehmen aktiv mitgestalten zu dürfen. Und die dadurch ein furchtbare Leere empfinden in einer Welt, wo Alte und Kranke unsichtbar sind.

Wie umgehen mit dem Wissen in alten Köpfen?

Ich habe einen Artikel gelesen, der sich damit beschäftigt hat, wie wir am besten ältere Menschen aus dem Arbeitsleben entfernen. Denn diese lernen doch eh nix mehr. Was ist da nur los? Das ähnelt den Diskussionen um das Thema „Führung in Teilzeit ist unmöglich“. Wer hat aktuell für Führung denn wirklich Zeit? In welchen Unternehmen ist Führung größter Anteil der Aufgabe eines Menschen? Alle mir bekannten Führungskräfte machen das neben ihrem vorher schon ausgefüllten Jobprofilen nebenbei. Genauso ist Alter für mich so weit weg von einer Kategorie, die geeignet ist, Engagement und Wissensbegierde für berufliche Herausforderungen zu definieren wie Augenfarbe. Neugier und inneres Wachstum ist keine Frage von Alter, sondern von Mindset. Von Einstellung zum Job.

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