#TeamBahn Begegnungsverkehr

Dass ich Fan des Öffentlichen Nah- und Fernverkehrs bin, ist kein Geheimnis. Dass wir dabei eine Beziehung wie alle anderen führen, auch daraus mache ich keinen Hehl. Nicht selten habe ich das Gefühl, mehr zu geben als zu bekommen – nehme es aber auch als viel zu selbstverständlich hin, wenn es mal richtig gut läuft. Und wenn andere meckern, bin ich intuitiv auf der Seite meines Partners. Wie sich das eben gehört.

Auf der Fahrt nach Berlin, die ich immer Mittwochmorgens antrete, riskiere ich dann auch alles und gehe voll auf Begegnungsverkehr mit den anderen, die sich in dieses vielleicht letzte deutsche Abenteuer wagen. Und es macht mir immer wieder riesig Spaß. Entweder treibe ich meine Mitmenschen allein qua guter Laune zu Weißglut oder Umschwenken – oder ich führe die besten Gespräche mit fremden Menschen, die in anderthalb Stunden Fahrt passen – so auch diesen Mittwoch.

Ins Gespräch kommen wir mittels meines scheinbar autonom fahrenden Kaffees, denn die Ausfahrt aus Hamburg ist immens schlingerig. Pufferküsser werden wissen, woran das liegt – ich wundere mich eher, wie stark ein ICE heute noch Schwanken muss. Der Herr, mit dem ich so ins Plaudern gerate, liefert mir enorm wertvollen Input über mein #FramingThema, das ich ja unbedingt dieses Jahr vertiefen möchte.

Wir reden über die Männer Mitte 50, die in den entscheidenden Positionen des zu gestaltenden Wandels sitzen – und in der Mehrheit diesen lieber aussitzen als gestalten möchten. Ich erhalte von meinem Bistrotisch-Nachbarn Hinweise zu wissenschaftlicher Literatur und die Bestätigung: Zu diesem Thema scheint es noch nicht viel Forschung gegeben zu haben. Dabei ist Mobilität ein täglicher Prozess, der ganz sicher einer Prägung unterliegt. Wir unterhalten uns über Impact-Modelle, Nudging, Chrematisten (kannte ich noch nicht) und ich kann ihn mit einer guten Bekannten vernetzen, die ähnliche Themen wie er bearbeitet – jedoch als Beraterin und nicht “forschend”. Noch während der Fahrt verknüpfe ich die beiden virtuell und sehe im Verlauf des Tages, das sie auf LinkedIn schon gegenseitig Content teilen.

Das ist toll!

Ich mag die Begegnung mit Menschen – und wenn ich nicht den passenden begegne, kann ich mich weiterbewegen in das nächste Abteil. Denn ich habe ja die Wahl. Und ja: Forschung zeigt, dass die Wahl des Autos nicht zuletzt auch darauf beruht, dass dieses für viele Menschen heute das letzte Fleckchen Privatsphäre ist. Zwischen Beruf und Familie hängen viele gar nicht soo ungern wie ich im Stau, sondern (und das wurde mir tatsächlich so erzählt) lesen, hören Bücher oder starren einfach mal so vor sich hin. Wie bekommen wir diese “Vorteile” in einen öffentlichen Verkehr übertragen, der sich heute unkomfortabler und gefühlt sehr viel teurer präsentiert als das eigene Auto? Mir das ohne Regulierung vorzustellen, fällt mir immer schwerer. Wie geht es Ihnen? Was ändert Ihre Mobilität? Haben Sie schon einmal aufgrund von exzellenter Kommunikation oder aber Schaffung neuer Angebote ihr mobilis Verhalten geändert? Sind es “Lebensbrüche” wie der Auszug von den Eltern, zum eigenen Job oder die Gründung einer Familie, die hier etwas verändert haben? Ich bin auf Ihre Erfahrungen gespannt?

* Weitere Infos hierzu erhalten Sie in meiner Datenschutzerklärung.