#TeamBahn Begegnungsverkehr Part II – Türen öffnen

Fahrt von Berlin nach Essen. Bordrestaurant. Junge AfD-Abgeordnete muss sich den Fragen und Statements eines SPD-Abgeordneten stellen. Er: altgedienter Hase, schon lange im Europaparlament etc.. Sie sichtlich unsicher argumentierend, was seine Fragen angeht. Wo bitte bekommt man die Chance, solche Dialoge aufgrund ihrer Lautstärke wie eine Radiosendung mithören zu dürfen. Es geht um den Hammelsprung, Zwischenrufe und ihre menschenverachtende, hetzerischen Inhalte, Demokratie. Sie versucht, die AfD als zukünftigen Koalitionspartner in Stellung zu bringen, was er sofort vehement verneint. “Solange in Ihrer Partei Kräfte wirken, die die Demokratie abschaffen wollen, werden Sie sich nicht als unser Partner ins Gespräch bringen können.”

Neben mir: Ein Mann mit farbigem Einstecktuch und maßgeschneidertem Anzug auf dem etwas fülligen Leib, der ständig so Dinge sagt wie “Päuschen” und “Käffchen”. Er telefoniert laut mit jemanden darüber, dass DIE jetzt wahrscheinlich die Chance nutzen werden, um Mitarbeiter zu kündigen, die SIE schon länger auf der Liste haben. Mein Lieblingsspruch: “Oft wissen Führungskräfte ja mehr als wir Berater. Dennoch… !” – jaa! Möchte ich da ausrufen. Denn sein Telefonat entblößt recht deutlich, wie zumindest er seinen Job sieht. Nach seinem sehr lauten Selbstdarstellungspart bestellt er sich einen Kaffee, um sich dann bei den beiden Abgeordneten zu beschweren, ihre “undifferenzierten Äußerungen” nicht in seine Richtung zu “blasen”. Ach Mensch, ein glücklicher Mensch. Fun Fact: Er sitzt unter dem “Telefonieren untersagt” Symbol.

Derweil sind SPD und AfD bei Tomatensuppe bei der Frage angelangt, wie eine lesbische Frau mit einem bunten Lebenslauf in so eine Partei gelangen kann. Das Gespräch zwischen beiden ist wertschätzend, auch wenn er ihr deutlich rhetorisch überlegen ist, verlässt er nie die Grenzen des guten Geschmacks oder wird abwertend. Er ist wahrscheinlich doppelt so alt wie sie und berichtet ihr von den anfänglichen Höhenflügen seiner Partei, alten Recken der CDU wie Alfred Dregger und erzählt hörbuchtauglich

“Wie kommt man als junge Frau mit juristischem Hintergrund in diese Partei?” “Ich möchte Politik für Deutschland machen – nicht für Minderheiten. Und ich möchte als Frau etwas bewegen in einer männerdominierten Welt.” Hier gibt er ihr recht. Politik und vor allem rechte Politik ist klar männlich.

Wenn ich unweigerlich, da nebenan sitzend, solche Gespräche mithöre, fällt mir immer stets auf, wie sehr meine Blase solche Dialoge nicht enthält, die doch eigentlich so wichtig sind. Wie holen wir Menschen zurück in die Mitte, die an den Rand geraten sind? Diese Frage betrifft nicht nur politisches Engagement oder das Kreuz, das auf dem Wahlzettel platziert wird, sondern jeden Menschen, der sich durch äußeren Einfluss genötigt sieht, sich zu radikalisieren. So habe ich in den letzten Tagen (wie stets) viele Diskussionen über neue Arbeit und Veränderung der Mobilität geführt, stets käme Argumente wie Arbeitsplätze, die vernichtet werden, Menschen, die aufgrund von Jobdefinitionen nicht am Wandel der Arbeit beteiligt werden können.

Ist das so? Wollen wir auf Wandel verzichten, damit unsere Generation verharren kann, in dem was ist, aber was auch Umweltzerstörung oder das Verpassen von Chancen angeht? Ich bin durchaus der Meinung, dass Buzzwords wie #NewWork viele nicht erreichen, weil die Kreativität, diese vielleicht auch nur in kleinen Schritten umzusetzen, nicht gelebt werden kann. Nicht von ihnen als Mitarbeiterin, sondern von Vorgesetzten, die in tradierten Rollen verharren. Wandel geschieht nicht durch Pflege von top-down. Aber es existieren momentan viele Mechanismen, genau diesen Rückschritt zu machen. Führungskräfte trauen sich vielleicht auch selbst nicht zu, diesen Wandel aktiv in die Hand zu nehmen, wie die Einhörner so schön sagen: “Unfuck the Company!” zu leben. Es muss ja auch nicht bis in dieses wunderbare Extrem gehen, deren Wachstumsschmerzen wir verfolgen dürfen, weil die beiden Gründer sie transparent kommunizieren. Aber einfach mal zu sagen: “Ich weiß auch nicht, habt ihr eine Idee?” Warum darf Führung das viel zu oft nicht wagen? Warum sucht Thomas immer noch Thomas und verhindert damit kreative Herangehensweisen und Querdenker? Denn quer denken kann in unserer aller Vorstellung nur jemand, der ANDERS ist als wir – und die Chance, es zu bleiben, erhält. Wie leben Sie das? Wollen Sie Wandel? Ist bei Ihnen alles gut, so wie es ist? Bin interessiert, wie sich in verschiedenen Branchen und Hierarchiestufen diese Fragen beantworten lassen!

* Weitere Infos hierzu erhalten Sie in meiner Datenschutzerklärung.