Ich habe vertieft damit begonnen, mich mit dem #Framing in der #Mobilität zu beschäftigen. Alles begann mit der Recherche zu meiner ersten Keynote in diesem Jahr. Erstaunt stellte ich fest, dass ich – als ich mir die Frage zu diesen Zusammenhängen stellte – kaum wissenschaftliche Studien speziell zum Zusammenhang von Entscheidungen über Mobilität durch Framing finden konnte. Denn ich glaube verstärkt daran, dass es nicht nur attraktiven Angeboten bedarf, um Menschen aus dem Auto zu holen, sondern wir uns auch damit beschäftigen müssen, warum trotz aller Argumente und offensichtlicher Situationen in der Anwendung so viele noch im Auto verbleiben, ja sogar 2017 das erste Jahr war, in dem wir je Haushalt mehr als ein Auto zählen konnten (Studie Mobilität in Deutschland).

Die Debatte um ein mögliches Tempolimit ist das beste Beispiel, dass Emotionen und “Argumente” förmlich hochkochen, wenn der Deutsche (und ich wähle hier bewusst DER, denn viele Frauenstimmen außer eine der FDP habe ich in der Debatte nicht vernommen, sie findet sich hier als “Gegenstimme” zu Gert Lottsiepen) sein letztes verbliebenes Ritual (das Rasen) bedroht sieht. Es wird medial regelrecht durchgedreht, Argumente wie die “meines VCD” gar nicht bis zum Ende angehört, so groß ist die Empörung, den deutschen Autofahrer “gängeln” zu wollen.

Zur Erinnerung einmal die vom VCD angeführten Argumente, die in meiner Wahrnehmung schwerer wiegen als jedes zweiminütige Vergnügen Raserei:

  • Ein Tempolimit bedeutet mehr Klimaschutz, denn es senkt sofort den Spritverbrauch und verringert damit den Treibhausgasausstoß spürbar. Bei 120 km/h ließen sich jährlich rund drei Millionen Tonnen CO2 einsparen.
  • Ein Tempolimit bedeutet mehr Sicherheit, denn es verringert die Unfallgefahr und mildert die Folgen im Falle eines Unfalls. So ließen sich jährlich hunderte Tote und Schwerverletzte auf Autobahnen vermeiden.
  • Ein Tempolimit bedeutet weniger Staus, denn es mindert die hohen Geschwindigkeitsunterschiede auf Autobahnen, die eine wichtige Ursache bei der Stauentstehung sind.
  • Ein Tempolimit in Deutschland würde das weltweite Wettrüsten um immer schnellere Autos beenden und so mittelfristig den Weg für weniger Gewicht und mehr Effizienz von Neufahrzeugen frei machen.

Meine Frage nun: Welche Rolle spielt auch hier Framing? Warum ist Rasen ein Muss? Warum zählen die Gelüste des Fahrers mehr als die Gesundheit Dritter?

Freie Fahrt für freie Bürger – diese Forderung des ADAC ist so alt wie ich, und seitdem unbestritten wie eine Flagge an jedem Auto, das sich durch freie Geschwindigkeitswahl erst richtig entfalten kann, wie es scheint.

Wie kaum ein anderes Verkehrsmittel geht das Auto auf Kosten vieler – Platzverbrauch, Emissionen, Lärm, um nur einiges zu nennen. Und diese Form der Mobilität ist männlich in ihrem Ursprung. Es gibt natürlich auch Männer, die auf Auto keinen Wert legen, und Frauen, die vermehrt SUV fahren, um Kinder an ihre Betätigungsfelder von Schule und Freizeit zu bringen. Wie ändern wir diese Mobilität, wenn diese in einer Branche erstellt wird, die homogen aufgestellt ist? Diversität tut auch hier not – in Denken und Handeln – um das Tradierte zu überholen. Um die Nachfrage nach Mobilität zu generieren, die menschengerechter und umweltfreundlich ist und vor allem den Raum in Städten den Menschen zurückgibt. Wer sich für Argumente und Hintergrund zur Tempolimit-Debatte interessiert, schaut bitte mal bei dem Verband vorbei, dem ich als Teil des Bundesvorstand angehöre. Argumente erreichen jedoch jene nicht, und das ist das Fatale am Framing, die weiter rasen wollen. Und genau deswegen werde ich weiter in die Recherche einsteigen, wie diese Form von Framing entkräftet werden kann.

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