#DPRGTakeoff2019 in Berlin

Ich bin neu in Berlin und freue mich sehr über mein Teilzeithauptstadtdasein. Ich habe viele berufliche Kontakte, die hier wirken, Freundinnen von mir wohnen hier – die ich nun öfter sehe als zuvor – und es macht Spaß, wie sehr alles auch in dieser Stadt zusammenwächst. Denn auch der VCD sitzt hier. Die räumliche Nähe zu Dingen, die mir wichtig sind, ist ein echter Mehrwert der Stadt. In Sachen Networking habe ich mir vorgenommen, mal in viele Ecken zu schauen, um Kontakte zu knüpfen. So habe ich mir für diesen Freitag auch den Besuch auf dem Takeoff des DPRG geschenkt, einem Verband, dessen Wirken ich noch eher von der Außensicht kenne.

Rebellen im Anzug

Optisch war ich etwas irritiert, hatte ich doch Kommunikatoren zumal in Berlin etwas lockerer eingeschätzt. Vielleicht lag es daran, dass die DPRG bei der Deutschen Bank zu Gast war – adrette und vor allem männliche Bankbeamte, so wirklich aus dem optischen Lot fiel niemand. Schade eigentlich, denn Haltung vermute zumindest ich eher jenseits von Uniform, aber innerlich können da ja viele Rebellen im Anzug geweisen sein. Erstes Highlight schon nach sieben Minuten: Ich traf Katharina Lutermann, die in der Zeit, in der ich bei den Stadtwerken Osnabrück war, auch mal dort in der Kommunikation gearbeitet hat, und zuletzt den 30u30-Award der DPRG gewinnen konnte. Sie ist Kommunikatorin der Schüchtermann Klinik, hat dort die Abteilung von Beginn an aufgebaut und ist somit in einem Bereich tätig, der mir völlig unbekannt ist.

Haltung bedarf Handlung – eindrückliche Keynote

Ich bin begeistert, wenn Menschen klare Statements mit großer Ruhe, bedachten Worten und deutlich Appellen zu platzieren in der Lage sind. Und das kann Imran Ayata. Und schnell wurde es ganz still im gläsernen Innenhof. Denn der Herr machte betroffen. Er prangerte an, wie deutlich vor allem die Kommunikatoren aktuell in Haltung versagen. Wie schnell sie durch Passivität und Zurückhaltung Trends sich verstärken lassen, die Ausgrenzung und Stigmatisierung Einzelner und Gruppen fördern. Haltung geht nicht ohne Handeln, so sein Fazit. Wie dieses Handeln aussieht, sollten vor allem Kommunikatorinnen zu beurteilen in der Lage sein – so sehe es zumindest die Berufung vor. Sein Beispiel war die auch in meiner Wahrnehmung unmögliche Kampagne rund um die #Männertage und Sophia Thomalla. *nomorecomment* Kampagnen wie die von Gilette seien hier das Gegenteil und forderten die Marke UND ihre Kunden (männlich) gleichermaßen heraus. Der Shitstorm sei sicher einkalkuliert, dennoch zolle er Respekt bei der Haltung, die diese Kampagne auch in Post-MeToo-Zeiten symbolisiere. Frames zu setzen solle nicht den Rechten oder Antifeminsten überlassen werden. „Wo sind die sonst so plauderfreudigen Kommunikatoren, wenn es um Rückgrat für andere geht?“ Danke! DAS tat gut.

Workshop zur Exzellenz – vier Grundlagen machen diese aus

  1. Reputation. Sie ist die neue, wichtige Währung im Zeitalter der Schnelligkeit und Austauschbarkeit, quasi die neue Einheit, um Unternehmen zu bewerten – und sollte daher auch regelmäßig in ihrem Wert bemessen werden.
  2. Strategie und Beratung. Hier ist es vor allem das Nachfragen, was bewegt das Unternehmen, es bedarf der Zeit und des Innehaltens, um Strategie auszubilden und vor allem auch diesem roten Faden dann konsequent zu folgen.
  3. 360 Grad Stakeholdermanagement: An wen richtet sich die Kommunikation des Unternehmens? Wer muss mit welchen Botschaften wann erreicht werden? Vorstände sind z. B. sehr weit weg von der Möglichkeit, die Ansprüche von Stakeholdern einschätzen zu können. Hier bedarf es des regelmäßigen Monitorings.
  4. Netzkommunikation – und damit die vielleicht größte Herausforderung in Sachen Kommunikation. Um schneller, passgenauer und aktueller kommunizieren zu können (was in Zeiten von digitaler Kommunikation erwartet wird) bedarf es weniger Hierarchie. Das jedoch kann Probleme mit der Compliance oder anderen Bereichen des Unternehmens bedeuten, wenn dieses noch das klassische Silo verkörpern.

Advisor, Engager, Enabler, Governor – bei Microsoft

Lena Rogl von Microsoft hob in der zweiten Keynote des Tages die Bedeutung des Zuhörens im Job des Kommunikators hervor. Um Unternehmen vor allem auch intern in seinen Bedürfnissen nach Kommunikation einschätzen zu können. Lebenslang lernen bedeute eben auch die Bereitschaft, Menschen, die nicht der eigenen Blase angehören, Zeit zu widmen. Im Gegensatz zu Künstlicher Intelligenz seien es die menschlichen Eigenschaften, die nicht zu programmieren seien. Und so verstünden sich die Kommunikatorinnen bei Microsoft als Ratgeber, Befähigerin, Trainer, aber auch Überwacherin. Denn bei aller offener Gestaltung der Kommunikation durch Digitalisierung und neuer Tools bedürfe es immer noch einer Strategie, um erfolgreich und nicht beliebig zu sein.

Fazit

Für mich war dieser Tag ein guter mit spannenden Begegnungen und interessanten Menschen. Aber ich entwickle auch immer mehr für mich eine Art Radar, die “richtigen” Kolleginnen zum Austausch zu treffen – mit echtem Mehrwert an Begegnung und Information. Man mag es mir nicht glauben, aber ein ganzer Tag Smalltalk strengt mich enorm an. Das zu steuern musste ich lernen, aber es funktioniert.

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