Heute ist mir fast der Kaffee aus dem Gesicht gefallen, als ich beim Frühstück diese Schlagzeile las. Nun ist das Manager Magazin in Gänze nicht dafür bekannt, Innovationen und Diversität nach vorne zu stellen, aber so eine Überschrift ist aus der Zeit gefallen – meine Meinung. Denn wo steht die Autobranche, die wir so oft als “Schlüsselindustrie” bezeichnen, aktuell? Auf jeden Fall im Weltvergleich nicht mehr unangefochten an der Spitze. Da ist der “Dieselskandal” (seit Jahren, immer wieder wegen Betrugs), da ist “Getriebenheit” – von internationaler Konkurrenz (nicht von eigenem Wunsch nach Wandel in Technik, Belegschaft und Denken), da ist technischer Rückstand.

Doch das wird im Artikel und augenscheinlich auch bei BMW nicht reflektiert. Die Autoindustrie scheint in arroganter Schockstarre ob der gesamtheitlichen Bedrohung ihres einstigen Thrones. Und das Manager Magazin stützt diese Haltung. Zitat: “”BMW braucht eine starke Leadership!” Das sagte, es ist keine zwei Wochen her, ein Vorstandsmitglied der BMW AG; … “Mit dieser starken Leadership”, so sprach der Mann weiter, sei der Autohersteller immer am stärksten gewesen. Es habe auch mal radikale Entscheidungen gegeben, für und gegen große Projekte, der Vorstandschef könne die Mannschaft dann begeistern und mitnehmen.” Radikale Entscheidungen? Kunden:innen zu zigtausenden zu betrügen ist also eine radikale Entscheidung? Jahrelang zu verschlafen, dass die  Welt sich weiter dreht, und zwar weg von den fossil betriebenen Fahrzeugen? Meine Güte. Mich schüttelt es zwischen dieser offensichtlichen Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild. Das Weltbild der Autobrache scheint in den achtziger Jahren festzustecken (vorsichtig geschätzt). Dabei hatte ich wirklich gehofft, dass hier auf Fortschritt zugunsten aller gesetzt wird.

Was also wird dem scheidenden Harald Krüger vorgeworfen? Genau das, was gutes Leadership ausmacht! Denn, liebe BMW-Crew, das, was ihr euch zurückwünscht, ist autokratischer Führungsstil, ist männlich, ist Macht, ist weiß, ist längst überholt in erfolgreichen Unternehmen, die es auch übermorgen noch geben wird. Aktuell kaufen die Menschen noch eure Produkte, doch die Alternativen stellen sich bereits auf und werden immer besser.

Glückwunsch also an den scheidenden Harald Krüger, denn er tut gut daran, diese Buddybutze zu verlassen und sich zeitnah anderen Unternehmen zuzuwenden, die den Wandel aktiv gestalten. Zitat: “Harald Krüger führt anders. Integrativ und moderierend, strategisch smart und hochanalytisch. Der Mann will überzeugen, nicht dominieren. Er führt im Team und nicht als klarer Anführer eines Rudels von Alphatieren.” So einen wünsche ich mir! Denn darum geht es. Nur Zuhören und echtes Führen sichert die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens, das international erfolgreich sein will. Denn auch seine Kund:innen sind divers. Sorry Guys! Immer mehr Frauen (wenn nicht immer schon) kaufen eure Produkte bewusst ein.

Fazit: Die Zeit ist um für ditatorischen Führungsstil. Aber in der Autoindustrie hört man(n) die Signale bewusst nicht. Denn insgeheim weiß man(n), dass damit auch andere in die Positionen gelangen könnten, die sie heute noch für sich vereinnahmen. Nämliche echte Talente, in Fach- und Führungskraft. Zitat: “Krügers Führungsstil ist die Ausnahme in den großen deutschen Konzernen. Volkswagen-Chef Herbert Diess (60) genießt die Rolle des Entscheiders, sammelt die Machtfunktionen als gleichzeitiger Chef von Konzern, Marke VW und Entwicklung. Daimlers Langzeit-CEO Dieter Zetsche (66) war ebenso unangefochtener Dominator wie Siemens-Boss Joe Kaeser (62), Bosch-Leader Volkmar Denner (62) oder auch Allianz-Mann Oliver Bäte (54).”

Glückwunsch an Harald Krüger. Auch das Manager Magazin erkennt immerhin an: Er “hat sich für einen Abschied in Würde entschieden, sein elektromobiles Erbe präsentiert, jetzt soll ein anderer weitermachen.”

Was machen solche Artikel mit Ihnen? Stimmen Sie den dort enthaltenen Aussagen zu?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinungen!

PS: Mittlerweile hat das Manager Magazin die Überschrift geändert und fordert nunmehr nur noch “Alpha” ohne “Mann”.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zunächst bei XING im Rahmen meiner Tätigkeit als Insiderin.

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