Gestern war einer der aufregendsten Tage 2019 für mich, weil ich gemerkt habe, dass ich mit den Gedanken, die ich mir um die Verbesserung der Mobilität mache, vielleicht doch nicht so alleine bin, wie es sich manchmal anfühlt. Menschen wie Ralph Ruthe oder der “Cycling Professor” haben mich retweetet, Leute wie padeluun sich in die Diskussionen unter meinen Tweets wundervoll eingebracht. Ich bin geflashed, um es mal platt zu sagen. Und selbst heute fühlt sich noch irreal an, was gestern passiert ist.

Aber von vorne

Es begann mit der Nachricht, dass der Kauf von #Elektroautos nun mit bis zu 6.000 Euro belohnt wird und Staat und Wirtschaft sich diesen Betrag teilen.

Meine Frage bei #Twitter:
“Die #Bahncard100 kostet 4.395 Euro – der Zuschuss für ein Elektroauto bis 6.000 Euro. Finde nur ich das einseitige Prämierung? Warum nicht wirklich #nachhaltige #Mobilität auch anbieten? Für die, die kein #Auto wollen?”

Schon die Frage wurde über 1.000 retweetet, ins Englische, Spanische und Niederländische übersetzt und erhielt 207.000 Impressions.
Hatte ich mit der Frage, die mich bewegte, einen Nerv getroffen?

Um diesem nachzugehen, legte ich nach und verfasste eine Umfrage, inkl. Akkusativschwäche.

“Gesetzt dem Fall, es gäbe 6.000 Euro Förderung für nachhaltige Mobilität, was würdest du kaufen?”

Elektroauto
Lastenrad – Pedelec
Bahncard 100
E-Scooter/Elektromoped

284.000 Impressionen, 2.054 “gefällt mir”, 1.200 Retweets, 12.800 Teilnehmende, 648 Antworten später das Ergebnis:

51 % würden die BahnCard100 nehmen.

Viele kamen wohl erst durch mich auf die Idee, die Verkaufsförderung zu hinterfragen:

Ist sie gerecht? Fördert sie nicht das Falsche? Welche Anreize brauchen wir, um Verhalten zu ändern?

Und natürlich entwickelten sich die üblichen Diskussionen:

Das geht nicht im ländlichen Raum.
Ich würde das ja mit der BahnCard100 machen, wenn bei mir Busse fahren.

Daran merke ich: Wir sind uns noch nicht bewusst, dass auch wir Politik sind. Wie ein Mantra habe ich vor mir hergetragen: Werdet unbequem – fordert guten ÖPNV ein! Macht Politik deutlich, dass ihr nicht Autofahren wollt, sondern keine Alternativen habt. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass die Autozentriertheit, die Politik immer auch als Argument zieht, um alles beim Alten zu belassen, nicht mehr in dem Maße existiert.

50 Prozent mehr Geld für Jene, die sich jetzt ein Auto kaufen, das per elektrischem Antrieb betrieben wird. Ist diese Belohnung noch zeitgemäß? Müssen Subventionen wie diese nicht längst weiter gedacht und gefasst werden?

Könnte nicht eine Prämie von 5.000 Euro an Jeden ausgeschüttet werden, der sich in diesem Jahr entscheidet, kein Auto zu besitzen, es abzuschaffen? Der Preis wäre hoch genug für eine Bahncard100 oder ein hochwertiges Lastenrad mit Elektroantrieb.

Die Kaufprämie soll den “Hochlauf” der Elektromobilität auf zehn Millionen Fahrzeuge im Jahr 2030 ermöglichen – warum eigentlich?

Heute bewegt sich das deutsche Auto durchschnittlich 45 Minuten am Tag, mit 1,3 Personen an Bord. Sicher, es gibt viele, die auf ihr Auto aktuell noch angewiesen sind. Vor allem im ländlichen Raum müssen Alternativen, die den Privat-PKW ersetzbar machen, erst noch etabliert werden. In manchen Regionen wird das aber auch gar keinen Sinn machen, so sie zu dünn besiedelt für umsetzbare Nachfrage sind. Her bleibt das elektrisch betriebene PKW Mittel der Wahl. Dennoch: Die statistischen Werte stehen im Raum und bedeuten vor allem, dass wir uns unsere Autos nach dem Maximalbedarf kaufen – und nicht nach unserer Alltagsmobilität.

Warum also nicht Anreize setzen, Mobilität nachhaltiger zu gestalten?

Die Kaufprämie kommt schließlich im wichtigsten Moment zum Tragen: Wenn ein Auto hinterfragt und ein Neukauf in Betracht gezogen wird. Hier attraktive Prämien zu setzen, die auch eine Bahncard100 oder ein Elektrorad ermöglichen, erscheint mir als valider Weg, echten Wandel voranzutreiben – und nicht bloß Antriebe auszuwechseln.

Fazit:
Ich denke darüber nach, eine Online-Petition aufzusetzen. Kennt sich damit jemand aus?

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